Neuerscheinungen im Februar/ März 2009_________Emely und die Ausserirdischen.________Kinderbuch für Erwachsene_____________Die Rache des Quetzalcoat_______verrückte Reise ins Nirvana..
   
  Edition .Goldener Falke
  der Waffenschmied des Papstes
 







Leseprobe

"Der Waffenschmied des Papstes"



"Franz Kupferschmied ist hart wie Krupp-Stahl. Anders geht’s gar nicht, wenn man mit 19 Geschwistern in einem Armenhäuschen aufwächst. Vater Andreas war Kupferschmied, Feuerwehrhauptmann, Gemeinderat, Kirchenmessner und Alkoholiker. Sohn Franz macht es besser. Aus ihm wird ein Goldschmied -und schließlich der "Waffenschmied des Papstes" …

 

Überlebenskünstler


Ganz Aschbi, Hohn und Wüstenbuch hat sich nach dem 30jährigen Krieg aus Überlebenskünstlern entwickelt. Eine Region, die so von Kriegswirren heimgesucht wurde, wie unser Dreifrankeneck, bringt immer wieder neue Überlebenskünstler hervor. Zu den einfallreichsten zählten die Gebrüder „Kupferschmied.“  Die hießen eigentlich anders, aber in Aschbi gilt der Hausname seit jeher mehr als irgendein schnöder Familienname. Das Familienoberhaupt wurde Andreas genannt und war Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, Gemeinderat und Spenglermeister. Der wusste wie man die bösen Geister vertreiben kann. Sei es bei seinen häufigen Löscheinsätzen im Wirtshaus, oder gar zuhause im ehelichen Schlafzimmer. In diesem muss der agile Spenglermeister wahre Meisterleistungen vollbracht haben. Oder lag es an der alttestamentarischen Fruchtbarkeit seiner  Kättl?

Wie auch immer es gewesen sein mag, sein zerbrechliches Weibchen beschenkte ihn mit 20 Kindern. Ist das etwa nix hä?  Doch Freunde, das ist schon etwas, erst recht dann, wenn man sich das spektakuläre Anwesen des emsigen Spenglermeisters vorstellt. Das befand sich in der „Federwisch-Gass’“ und war exakt so groß wie zwei PKW Garagen. Diese stehen heutzutage an selbiger  Stelle. An ihrer Giebelwand hat der neue Besitzer das alte Handwerkszeichen des potenten Spenglermeisters angebracht und auf dem steht geschrieben: „Gott schütze das ehrbare Handwerk.“  Mit etwas mehr Handwerk wären es vielleicht weniger Kinder geworden - aber der Meister liebte halt nun Mal den Coitus. Deshalb war er der Aschbacher Rekordhalter in der Produktion von arischen Buben und Mädels. Wie es aber der Teufel so will, waren die meisten seiner Sprösslinge mehr pazifistisch orientiert. Der einzig fanatisch-kriegerische  Vaterlands-Verteidiger war sein Fränzla. Der ist unter diesem Namen in den Krieg gezogen und mit seinem Kampfnamen „Häckl“ zurückgekommen. Die übrigen Buben wollten vom Front-Geschehen eher weniger wissen. Am wenigsten wohl der August. Der hatte das ehrbare Handwerk eines Schusters erlernt - aber das half ihm nix. Fast nix, denn Schuster kann man auch beim Militär gebrauchen. Nicht aber den August. Der wurde nämlich schon im September 1940 wieder heimgeschickt. Nicht weil er schlecht die Knobelbecher geflickt hätte - sondern weil er „Heimwehkrank“ war. So etwas ist heutzutage kaum  vorstellbar, aber es ist wahr Freunde. Der August war dermaßen mit seinem geliebten Heimatort verwachsen, dass selbst die Wehrmacht kapitulieren musste. Deshalb schickte der entnervte Stabsarzt den August wieder heim in sein geliebtes Aschbi und siehe da, ein Wunder geschah. Der sterbenskranke August konnte wieder lachen, hüpfen und springen, Handstand auf dem Wirtshaustisch machen und so manches Krüglein leeren. Auf ähnlich mystische Weise gesundeten auch seine Brüder Balthasar - genannt Balser - und Christoph - genannt Stoffl.

Bei Letztgenannten hielt die Gesundheitsphase allerdings nur wenige Monate an, dann war er dran. Besser gesagt drin im KZ Dachau. Dort war nämlich nicht nur Platz für Juden, sondern auch für „Volksschädlinge.“ Einer davon soll der Stoffl gewesen sein, weil er einem SA-Mann gesagt hat, er sei ein Schwein. Daraufhin sperrte man den Stoffel ein, aber vorher hat er sich mit seinen Brüdern Balser und Butt  ordentlich den Bauch vollgeschlagen: „Ja wie denn, wann denn wo denn?“ könnte man nun fragen – und hier kommt schon die Antwort Freunde und die geht so: Die drei „Däfetisten“ wollten keine Kanonen statt Butter und kein Schweinefutter statt Schweinefleisch. Deshalb klopften und hämmerten sie Tag und Nacht in ihrer Zwergenwerkstatt herum und fertigten Dinge die jeder Haushalt brauchte: Wärmflaschen, Gießkannen, Pfannen, Schüsseln und Töpfe. Wer sich einen neuen Topf aus Weißblech oder „Flugzeug-Aluminium“ nicht leisten konnte, brachte sein altes Stück einfach „zum Löten.“   Wer sich keine Gießkanne leisten konnte war noch beschissener dran, denn wie sollte dann sein Gartengemüse wachsen?  Na schön, manche Leute schöpften auch mit ihren Wassereimern das begehrte Nass aus dem Kümmelbach, aber auch Wassereimer sind nicht für die Ewigkeit gemacht.  Milcheimer auch nicht. Die Milchkannen schon eher, denn die waren aus stabilem Aluminium getrieben. Wenn sie schön voll waren, dann musste man sie zum „Milchbänkla“ bringen. Der Rest  war dann Sache vom Milch-Klein. Der spannte seine Gäulchen ein und transportierte die wertvolle Fracht nach Schlüsselfeld. Von dort aus wanderte die edle Flüssigkeit in die Verteilerstelle und kam per Lebensmittelkarte zu je 0,10 Tages-Liter pro Kopf wieder unters Volk. Ja Heiland Sakra, die Gebrüder Kupferschmied, respektive deren Eltern konnten sich nichteinmal eine Kuh leisten. Dafür aber zwei Ziegen – und die waren nicht Milch-abgabepflichtig. Dem Moses seine auch nicht – solange der noch mit Ziegen gehandelt hatte. Dem sein kurioses Handelsgeschäft stand damals genau dort, wo heute das prächtige Cafe des  Konditormeister Ludwig Dorbert steht. Besser gesagt, dem Lubbi sein Prachtbau erhebt sich  auf den  Grundmauern mehrer Gebäude. Da wäre als erstes zu nennen, ein ziemlich altersschwaches und ziemlich fensterloses Feldsteinhäuschen zur Linken, also zum Privatier Kohn hin. In dieser Hütte hausten drei Familien: Links unten der August-Butt, seines Zeichens Heimwehkranker, Schuhmacher und Schluckspecht. Der hatte vier Kinder zu ernähren. Das Ernstla hatte ihm seine Kättl aus Ziegelsambach als ledigen Bangert mitgebracht. Dem August seine Mutter heißt Käthi, seine Frau heißt Käthi, deshalb nennt er seine Tochter Käthchen. Auf das Käthchen folgt es Fränzla, und Dann es Ludwigla. Es Ludwigla ist so kla` dass es in einen Maßkrug passt, seine Eltern sind nicht sonderlich groß, sein Großeltern auch nicht, und sämtliche Onkeln und Tanten auch nicht. Das Kupferschmiedsstammhaus in der Federwischgass sieht aus wie ein Hexenhäusla, der Herr Kupferschmied senjor und seine Söhne sehen meistens alles doppelt, weil sie geniale Schluckspechte sind. Kaum, dass der August Witwer ist, verliebt er sich in eine russische Erntehelferin. Die verspürt keine Lust mehr  heimzukehren in die Taiga: „Ja bleib doch da Katinka, bei mich geht es dich gut“ versprach der Butt – und was der versprochen hat, hat er auch gehalten. Die Katinka durfte ihren geliebten Wodka aus dem Maßkrügla schlürfen, und ihr Heimwehkranker  der knallte sowieso alles weg. Nicht in Russland mit dem Schießgewehr in der Hand, sondern an der Heimatfront in Aschbi. Also ehrlich Freunde, so wie der August sich die Birne vollgeknallt hat, das war schon weltmeisterlich. Seine Brüder Ba-ba-balthaser und Stoffel waren aber nicht weniger trinkfreudig. Diese drei Giganten aus der Federwisch-Gass` haben vom Federweißen bis hin zum Brennspiritus alles vernichtet was flüssig war. Außer Weihwasser versteht sich. Die Sache mit dem geweihten Wässerchen war nämlich die ausschließliche Donäne vom August. Der hat genau gewusst, wie man kostenlos zu dem begehrten Nass kommt. Da muß man nämlich nicht erst bis Lourdes oder Sankt Jacob de Compostella:  „Ah pah, so  a geweihtes Wässerla gibt’s bei uns a. Da nimmst a 10 Liter Amerla, und gehst in die katholische Kirch rein, und da is a doch rechter Hand die schöna klana Beichtkapelln. Dort wird zwar nicht gebeichtet, aber da steht ein großer Kupferkessel mit jeder Menge geweihtem Wasser drinn.“  Das haben die Ministranten zum August seiner Glanzzeit häufig nachfüllen müssen, denn wie gesagt, der Weihwasser-Liebhaber hat fast täglich 10 Liter abgeschöpft. Ja ja Freunde, 10 Liter Wasser wiegen bekanntlich 10 Kilogrammer, und wenn es sich um geweihtes Wasser handelt, dann vervielfacht sich das Gewicht. Die vielen Heiligen die sich unsichtbar in so einem Wassereimer verstecken  sind ja nicht völlig schwerelos. Deshalb ist der August täglich schweren Schrittes mit etwa einem Liter Wodka in der Birne und zehn Liter geweihten Wassers im Eimer, den weiten Weg hinaus zum Friedhof gewandert. Wenn die Verstorbenen könnten, hätten sie ihm dafür sicherlich unaufhörlich applaudiert. Nachdem der unermüdliche Weihwasserträger sich mittlerweile aber auch schon zu ihnen gesellt hat, darf man annehmen, dass der August im Himmel auf einem Ehrenplatz Halleluja singen darf. Solange er noch auf Erden weilte, hat der brave Mann alles getan, um die Toten glücklich zu machen. Oder sagen wir so: Er hat alles dafür getan, um sie nicht verdursten zu lassen. Damit aber auch er nach seinem Ableben keinen Durst leiden muß, hat der August einen genialen Plan entworfen nämlich: Er baut sich eine solide Gruft, und die muß zweierlei beinhalten. Erstens eine Pipeline von der Schlossbrauerei her, und zweitens eine kleine Leiter. Die braucht er am Jüngsten Tag, damit er schnell aus seinem Luxusgrab herausklettern kann.

Mein lieber Mann, also der August-Butt war wirklich ein Original. Und ob man es glaubt oder nicht, er hat seine Gruft tatsächlich gebaut. Die Sache mit der Pipeline hat leider nicht planmäßig funktioniert, weil doch die Schlossbrauerei schneller ruiniert war, als gedacht. Dieses Kunststück hat der legendäre Becks-Luft fertiggebracht, aber der gehört jetzt nicht hierher. Bleiben wir vielmehr bei unserem August, dem größten Weihwasserträger aller Zeiten. Der Durchschnitts-Christ besucht bekanntlich von Zeit zu Zeit mal das Grab seiner lieben Verstorbenen und sprengt aus einem kleinen Taschenfläschlein ein paar Tropfen Weihwasser über die Blumen. Unser August hingegen war ein echter Weihwasser-Profi. Der hat sich einen ähnlich voluminösen Pinsel zugelegt,  wie ihn die Pfarrer benutzen, wenn sie Haus und Vieh „weihen.“  So etwas ist immer prächtig anzusehen, und einem geweihten Objekt kann selbstverständlich niemals etwas Schlimmes geschehen. Deswegen weihen unsere kirchlichen Herren seit 2.000 Jahren alles was ihnen vor den Weihwasser-Pinsel kommt: Kriegswaffen, Kriegsschiffe, Panzer und Kanonen. Granaten, Schießgewehre und Patronen. Häuser,  Scheunen, Viehställe, Feld und Flur. Das Dumme dabei ist nur, dass der Teufel noch weitaus gerissener ist, als unsere Kleriker. Kein Wunder, denn er ist ja ihre eigene Erfindung. Und erfindungsreich wie der Teufel der elendige ist, sorgt er dafür, dass die sorgsam geweihten Sachen häufig im Rachen der Hölle verschwinden.

„Dagegen müssen wir neue Wunderwaffen erfinden“ sagen sich unsere erfindungsreichen Bischöfe und Priester, und deshalb weihen sie auf Teufel komm raus, alles was man mit Weihwasser bespritzen kann. Das fängt schon bei der Kindstaufe an, weil da wird die teuere Tauf-Kerze geweiht. Dann die Kommunion-Kerze, die Hochzeits-Kerze, und letztendlich die Sterbe-Kerze. Zwischen Wiege und Bahre bleibt naturgemäß viel Zeit und  Gelegenheit unzählige andere Objekte mit dem kirchlichen Weihesegen zu versehen: Kirchenglocken und Viehställe,  Rosenkränze, Gebetbücher, und  Fahnentücher, Kanonenrohre, Autos und Motorräder, Motorroller, Rock `n Roller, Rollstuhlfahrer, Zirkusartisten, Rennpisten – nur keine Kommunisten. Die sind für die christliche Weihe nicht vorgesehen. Ansonsten aber kannst du dem Pfarrer anbieten was immer du möchtest, er segnet und weiht es.  Die reichen Bauern lassen ihre schweren Ackergäule segnen, die „Hells Angels“ ihre schweren Herley Davidson`s, die schweren Jungs ihre Gefängniszellen, die leichten Mädchen ihre Handtäschchen, und die Soldaten ihre Fahnen, die Jäger ihr Schießgewehr, die Feuerwehr ihr Löschgerät, die Handwerkszünfte ihr ehrbares Handwerk, die Vereine ihre Vereinsfahnen, und unsere Ahnen haben sich für teueres Geld den päpstlichen Segen beim Ablasshändler Tetzel bestellt. Die alten Rittersleute haben für den kirchlichen Segen ganze Rittergüter dahin gegeben, und wenn schließlich das bischöfliche Heer gegen andere Krieger gekämpft hat, dann hat doch glatt immer die Truppe gesiegt, die das meiste Weihwasser abgekriegt hat. Das zeigt uns eindeutig, dass in dem geweihten Wasser tatsächlich geheime Kräfte verborgen sind. In unserer Kinderzeit war dieser Glaube noch viel tiefer verwurzelt, und deshalb durfte das Weihwasser in keinem  katholischen Haus  jemals  ausgehen. Deswegen sind wir Pimpfe immer zum Nachtanken geschickt worden. Vernünftigerweise nur mit 1-Liter Flaschen, und das war auch ganz interessant, denn das Auffüllen will auch gekonnt sein. Hält man nämlich das Fläschlein  einfach so mir nix, dir nix in den großen Weihwasser-Kessel hinein, dann sind die Heiligen beleidigt. Mit anderen Worten, sie streiken einfach. Deswegen ist es ratsam, erst einmal mehrere Kniebeugen zu machen, danach das Fläschlein schräg anzusetzen, und sofort bedanken sich die Heiligen mit fröhlich gluckernden Luftblasen. Sobald diese himmlischen Blasen ausgeblasen haben, ist der Tankvorgang abgeschlossen. Danach gilt es nur noch mit einem „Ave Maria“ und zwei „Gelobt sei Jesus Christus“  und drei Kniebeugen die Tankrechnung zu bezahlen, und schon kann der häusliche Weihwasserkessel nachgefüllt werden. Der hängt in aller Regel rechts von der Eingangstür. Das ist ziemlich praktisch, weil ja die meisten Christenleute Rechtshänder sind. Die gehen also in so ein rechtgläubiges Haus hinein, wissen sofort, dass zu ihrer Rechten das Weihwasser-Kesselein hängt, tauchen ihre Finger hinein, bekreuzigen sich und rufen aus: „Gelobt sei Jesus Christus.“

„In Ewigkeit Amen“  erwiedern die Anwesenden, und danach kann man sich den Alltagsgeschäften widmen. Nicht recht viel anders mag es in jenen „grauen Zeiten“ bei unseren heidnischen Vorfahren zugegangen sein. Diese wackeren Kerlchen sind wahllos dahin geschlachtet worden, in jenen schrecklichen Zeiten, als Karl der Große sich für den größten Christen-Kaiser aller Zeiten gehalten hat.  Damals gaben die meisten von ihnen ihr Leben in Gottes Hände, und der hat es anstandslos angenommen. Seither sind wir braven  Christen praktisch die Herren der Welt. Der frommste unter uns  ist zur Zeit der US Präsident George W. Bush, weil seit  dieser Kampftrinker abstinent geworden ist, spricht er ja täglich mit Jesus Christus persönlich. Der soll ihm angeblich gesagt haben, dass die Muselmanen in Afghanistan, Pakistan, Iran Tatschikistan und Irak, zack zack zur Hölle fahren sollen. Die wenigsten von ihnen wollen das, und deshalb ist halt jetzt  der Teufel los. Die Einen schwören auf den Allah, die anderen auf den Buddah, und wir braven Christen schwören selbstverständlich auf  unseren Erlöser Jesus Christus. Die Juden hingegen schwören auf ihren „wahren Messias“ aber keiner weiß so recht, wann der einmal auf Erden erscheinen wird. Alle anderen großen Erlöser waren ja schon da. Ob sie  die Menschheit von ihrem Übel erlöst haben, sei dahingestellt...

„Auf der Welt kann man nie so genau wissen was abgeht Leute, deshalb muß man die Gräber mit Weihwasser gießen solange noch die Blümlein sprießen“  sagte sich unser legendärer August und schleppte unermüdlich seinen 10-Liter Weihwassereimer. Also ehrlich, so geschleppt hat noch keiner. Und das Beste kommt erst noch. Hat sich doch der Unermüdliche einen Weihwasserpinsel angeschafft, der noch streufähiger als dem Pfarrer Will seiner war:

 „He, alles klar ihr stummen Freunde auf der grünen Wiese. Hier kommt euer Weihwasser-Riese mit einer gewaltigen Priese, was sagt ihr jetzertla hä? Da verschlägt es euch die Stimme, stimmts?“

Ob dem größten Weihwasser-August aller Zeiten jemals eine Grabeststimme geantwortet hat, ist nicht überliefert. Bezeugt ist allerdings, dass der August alles und jedes, aber  niemals die letzte Ruhestätte der Herren vom Kaulberg gewässert hat:

„Diese Maulaffen sollen sich einen eigenen Weihhicks, einen eigenen Weihwasserkessel kesseln, äh einen eigenen Weihwasser-Sprenger sprengen“ lallte der August von Januar bis Dezember. Zwischendurch  flickte er in seiner Werkstatt herum – und die war  Wohnzimmer und Schlafzimmer zugleich. Daneben gab es nur noch eine spartanisch eingerichtete Küche in der aber selten etwas gekocht wurde:

„Ja Katinka slatka moja, stell doch endlich Mal was gscheites zum Fressen auf den Tisch.“

„Sofort Towaritsch, willst du Fleisch oder Fisch?“

„Leck mich am Arsch, von mich aus Kaviar mit Krimsekt du Tschurek, wenn du mich gibst der Rubel dafür.“

„Ah pah, Rubel, Rubel, Rubel, kaufe dich einen Hobel und hobel Sauerkraut ein.“

„ Ja verfluchtes Pironnje wo soll ich hernehmen Kapusta hä?“

„ Was hicks, was ist dös?“

„ Ja Kraut du Nazi oder verstehst du nicht der russische Sprache hä?“

„Gott sei Dank nicht, weil ich bin der Schlacht um Stalingrad ausgewichen.“

„Nu willst du damit sagen, dass warst du Vaterlands-Verräter?“

„Balödhicks, Balödsinn, ich war ein Razifist.“

„Äh?“

„Pazihicks, ein Pazfist war ich.“

„ Nu auch gut Butt, Pazifist besser wie Fetischist, stimmt August?“

 

Solche Dialoge konnte sich der Herdegens-Schuster ersparen. Der  hauste mit seiner Herzallerliebsten  auf dem selben Flur, in einer Einzimmerwohnung und die musste reichen zum kochen, wohnen, schlafen und schustern.

Da hatte es die Bauerreis-Frieda doch schon besser getroffen.  Der ihr rothaariger Herr Vater war nämlich Briefträger. Seit er seinen letzten Brief ausgetragen hat, wohnt die ältliche Frieda  mit ihrer Frau Mutter unterm Dach. Dort gab es nämlich auch noch zwei Kammern und die teilten sich die beiden Damen. Im übrigen teilte sich die Frieda mit dem Herrn Bürgermeister die Gemeindekanzlei im Rathaus. In jener war sie als Kanzleischreiberin verpflichtet und diese Pflicht hat sie pflichtbewusst bis ans Ende ihrer Tage vorbildlich erfüllt. Jeden Morgen hat sich die Frieda ihren Haarknoten geknotet , ihre dicke Hornbrille aufgesetzt und  ist dann voller Elan die dunkle Stiege hinabgestiegen. Sobald sich ihre kurzsichtigen Augen an das helle Tageslicht gewöhnt hatten, sah sie direkt gegenüber die Tür vom Moses seinem verfallenen Ziegenstall. Solange der Moses noch sein Business ausgeübt hatte, herrschte  allerhand Leben unter seinem Dach. Da meckerten  die Ziegen mit der „Moschaber“ im melodischen Gleichklang, bis dann irgendwann  die Ziegen-Melodie grässlich gestört wurde. Das war in jener legendären Nacht, als der Moses einen schneeweißen Ziegenbock  nach Haus  gebracht hat. Dieses edle Tier war etwas ganz besonders und ließ den Moses von einem satten Verkaufsgewinn träumen. Aber Träume sind Schäume, schäumte seine holde Gattin, denn ob man es glaubt oder nicht, die Heino-Ziege stand am nächsten Tag schwarz wie der Roberto Blanko im Stall:

„Ja bei Moise und allen Propheten, ja kann mich ein Izich sagen was ist geschehen ?“  - jammerte der verzweifelte  Ziegenhändler. Nu was geschehen war, sah er dann selber beim näheren hinsehen. Die malefizischen Dorfburschen hatten nämlich Mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut um ihren Übermut auszulassen. Also hatte der Janta den Opferstock geknackt – und das war im Prinzip schon eine Todsünde. Noch dazu wo sein Vater doch der Messner war:

„Harschafts Sakra is dös wunderbar, was die Gläubigen  alles so dahinein in so ein Opfer-stöcklein werfen“ freute sich der Spitzbube und begann auszusortieren: Beilag-Scheiben, Blechstückchen und Aluminium-Münzen aus der Kaiser Wilhelm Zeit nach links, die paar Zehnerli nach rechts. Für die konnte man an der Gassenschenke beim Rippls-Wirt mehrere Seidli Bier erwerben und beim August-Butt eine Schachtel schwarze „Schuhwichs.“

„August du verrätst aber fei nix gell?“

„Niemals ihr Buben, ich war doch auch einmal hicks, äh jung mein ich, und das war damals als ich kurz vor Madagaskar, äh vor Moskau gelegen bin. Ja Dunnerkeil war der dös was. Überall Russen. Hinten hicks, vorn, oben unten und in der Mitten drin a noch. Ja da leckts mi am Orsch. Nix zu beißen, nix zum scheißen, äh zum schießen hicks, nur Russen und Schnee und sonst nix.“

„August spielst jetzertla wieder den Münchhausen hä?“

„Mühlhausen ihr Buben hicks, Mühlhausen liegt mehrere Kilogrammer, äh Kilometer östlich von hier. Und wenn ihr von da aus immer weiter in die selbe Richtung marschiert, dann steht ihr grad vor dem Stalin hicks, äh vor dem Stalingrad und denkt: Ja Dunnerkeil, was will ich denn  hier hä?  Soll ich vielleicht ganz allein die deutsche  Wehrmacht in die Schlacht um Mitternacht führen hä?   Für was haben wir denn unseren Führer geliebt, äh unseren geliebten Führer geführt hä?“

„Na weil er doch der Gröfaz war.“

„Ah pah, ihr habt doch keine Ahnung nicht Buben. Der Adolf war doch im ersten Weltkrieg nur ein kleiner Dings hicks, ein kleiner Wicht war der.“

„ Ja, ja August, des wissen mir scho. Der Adolf war ein Botengänger, stimmts?“

„Schmarrn, ein Blindgänger war er.“

„Aha und im zweiten hä, was war im zweiten Weltkrieg?“

„Den hat er verloren, weil ich und meine Brüder oder vielmehr meine Brüder und ich ja  schließlich nicht überall gleichzeitig sein können.“

„Versteht sich August, versteht sich ganz von selber, denn ihr habt die Heimatfront gehalten, stimmts?“

„Und ob ihr Buben, und ob. Wir haben moralischen Beihicks, Beischlaf äh harschafts Sakra, moralischen Beistand geleistet.“

„Und schwarz geschlachtet wie die Teufel, stimmst August?“

„ Na klaro Buben, klaro, wir haben voll die Sau rausgelassen.“

„Und dann abgestochen?“

„Ja anders  geht’s doch net.“

„Ja bravo August, bravo, aber bevor wir uns jetzt in weitere Details verlieren, wir brauchen was zum schmieren.“

„Schmiergeld?“

„Naa dös ham a mir selber, weil der Janta hat des Opferstöckla….“

„Heilige Mutter Anna, davon will i fei nix ghört und nix gseng ham.“

„Host jo a net August. Also jetzt spiel hier nicht den Dummen, äh den Heiligen, sondern gib uns a Schächtela schwarza Schuhcrem.“

„Groß oder klaa?“

„Ja no, scho a bissla a größera, sie muß halt reichen für den Moses sein weißen Ziegenbock.“

„Jesses ihr Buben, sagt blos der Moses will mit an weißen Gasbock durchs rote Meer hä?“

„Ah pah, der wird sich wundern der Jid, weil heut Nacht geschieht ein Wunder.“

Den Rest kann man sich denken. Aus dem Heino-Ziegenbock wurde übernacht der Roberto Blanco und das war praktisch sein Ende. Nicht dem Roberto Blanco seines, sondern dasjenige vom Heino, schmarrn, vom Alpino-Ziegenbock natürlich, weil das arme Tier nicht mehr durch die Haut atmen konnte.  Soweit hatten die Aschbier Malefizbuben natürlich nicht gedacht. Die haben sich nur krumm und schief gelacht, als der Ziegenhändler ein ums andere Mal die Hände zum Himmel erhoben hat und stundenlang flehentlich rief:

„Oh Moses du mein Namenspatron, Aaron und Levitkus, Joshua, Esra und Nehemia, Ijob, Kohelet und Jesaja, Jeremia, Baruch und Ezechiel,  Daniel, Hosea und Joel, Obadja, Jona und Micha, Nahum, Habakuk und Zefanja, Haggai, Malechai und Sacharia oder wenigstens du gepriesener Amos, sage mich was ist hier los ?“

Also los war in Aschbi immer etwas. Zumindest früher, als es noch kein Radio und TV Entertainment gegeben hat. Da mussten sich die Leute schon selber etwas einfallen lassen – und Einfaltspinsel hat es genug gegeben. Drei davon waren wie gesagt die Gebrüder Kupferschmied, das heißt, der Balser, der Butt und der Stoffl. Erstgenannter war zweifellos der lustigste, denn der konnte fast so schön stottern wie der Korla-Hick. Wer mit so einem Sprachfehler gestraft war, denn nannte man damals allerdings nicht Stotterer, sondern „Gazzer.“  Den Betroffenen mag das schei-schei-scheißegal gewesen sein. Die mussten eben mit dem Gespött leben. Das taten sie in vorbildlicher Weise, denn auch we-we-wenn sie langsam beim Reden waren, so doch blitzschnell mit ihren Gedanken. Deshalb sprach der Ba-ba-balthasar  zu seinen Geschwistern: „Lie-lie-liebe Brüder und Schwe-schwe-schwestern im Herrn, mich dürstet.!“

„Ja meinst du uns nicht Balthasar?“

„We-we-wer schmarrt so du-du-dumm daher?“

„ Na ich, dein Bruder August, ich hab auch Durst und Hunger wie ein Wolf.“

„Und du-du-du Stoffl, was ist mit dich?“

„Frag mich nicht Balthasar, ich könnt eine halbe Sau auffressen.“

„Da-da-da…“

„Was soll das heißen Balthasar, willst du einen neuen Hit kreieren?“

„Qua-qua-qua..“

„Heiligs Blechla, hats dir jetzt die Sicherung ganz rausghaut?“

„Blö-blö-blödsinn ihr Dep-dep-deppen, ich wollte doch nur sa-sa-sagen, da-da-dass wir die Sau durch dri-dra-drei teilen müssen.“

„Aha, du willst uns also mit deinen mathematischen Kenntnissen beeindrucken?“

„Qua-qua-quatsch, ich mein mir müssen brü-brü-brüderlich teilen.“

Und das haben sie dann auch getan die drei Experten. So einfach wie sich das hier liest war das aber ganz und gar nicht. Auf „schwarzschlachten“ stand Zuchthaus – und das nächsgelegene befindet sich in Ebrach. Heutzutage nicht mehr, denn da wo früher die Schwerverbrecher eingekerkert waren, verbüßen nun jugendliche Straftäter ihren Erholungsurlaub hinter Gittern.Vor einem halben Jahrhundert war das alles noch ganz anders. Vor zwei Jahrhunderten sowieso, denn da hausten noch die grauen Mönche in ihrem unsagbar reichem Kloster Ebrach. Deren Ur-Abt namens Adam hatte ja mal als armes Mönchlein angefangen, aber seine göttlich-asketische Mission  schnell wieder aufgegeben. Aus dem strengen Zisterziensterkloster ist recht bald ein Domizil für geld-und vergnügungssüchtige Äbte geworden. Deren letzter hieß Eugen Montag und der musste am Faschingsdienstag 1809 die Koffer packen. Kaum dass er seinen Palast verlassen hatte, kaum dass alle Wert-und Kunstgegenstände nach München abtransportiert waren, wandelten die ungehobelten Bajuwaren das Kloster in ein „Zuchthaus“ um. Dumm war das nicht gedacht, denn Zellen waren ja genug vorhanden. In denen wurde allerdings ab sofort nicht mehr gebetet, sondern gotteslästerlich geflucht. Am lästerlichsten vom berühmt-berüchtigten „Weißkopf.“

 

Rumble in the Jungle – Thrilla in Manila

Welcher Boxfan kennt nicht die legendären Ringschlachten zwischen Muhammad Ali und Smoking Joe Frazier?

Während der Blütezeit des SVA waren andere Ringgrößen bekannt. Der deutsche Meister Hans Häfner, der Europameister Hans Schiffers und natürlich der Größte aller Großen: Max Schmeling. Dieser einzige Schwergewichts-Weltmeister den Deutschland je besessen hat, war selbstverständlich das große Vorbild unseres kleinen „Häckl.“  Der hieß vor seiner Einberufung noch schlicht und ergreifend „Kupferschmieds-Fränzla.“  Das kam daher, dass es Fränzla ziemlich kla’ war. Dafür aber wieselschnell und mutig wie ein Löwe. In der FOX tönenden Knochenschau hatte unser Fränzla schwarz auf weiß gesehen, dass der Max Schmeling Fallschirmspringer war, und schon war alles klar. Das Fränzla wollte auch Boxer und Fallschirmspringer werden. Beides durfte er bei der Wehrmacht eifrig trainieren  und bald munkelte man in Aschbach von einem neuen Stern am Boxer-himmel. Unser Fränzla guckte sich vom Maxe Schmeling jeden Trick und jede Bewegung ab, tanzte leichtfüßig durch den Ring und danach ging es rein in die „Tante Ju“ und hinauf in die Wolken. Heissa jucheissasa ist des prima, dachte sich es Fränzla. Eines Tages bin ich Weltmeister im Superfliegengewicht. Dann kommt auch die Wochensau und filmt mich. Und dann gebe ich Autogrammer und dann geh ich nach Amerika und hau den Joe Louis vom Hocker.“

„Jetzt bleib aber mal locker du Fliegenfänger“-  höhnten seine Springerkameraden, „wir sind doch in erster Linie Soldaten, wir müssen jetzt gleich über Feindesland abspringen verstehst?“

„Ah pah ihr Anfänger, was wollt ihr mich  erzählen hä?  Ich habe mich das Technik von das Maxe Schmeling angeeignet.“

Das war im Prinzip nicht gelogen, denn aus dem Fränzla hätte tatsächlich ein excellenter Boxer werden können. Dazu hätte er aber auch die Sprungtechnik seines Idols besser studieren müssen, denn der landete ja stets filmreif auf dem Boden. Unser Fränzla leider nicht. Der sprang zwar wie der leibhaftige Rambo aus dem Flieger, aber weil er ja nur ein Fliegengewichtler war, wehte ihn der Wind genau dorthin, wo er eigentlich gar nicht hinwollte. Um es kurz zu machen, der Bedauernswerte landete nicht auf einer weichen Wiese, sondern ziemlich hart auf felsigem Grund. Das war dann auch der Grund weshalb es mit seiner Springerkarriere aus und vorbei war.

„Tja mein Lieber ihre Kniescheibe ist im Eimer“ - eröffnete ihm der Lazarettarzt „und mit ihrem steifen Bein können sie ruhig heim gehen, für sie ist der Krieg vorbei.“

„Na auch recht, dann werde ich halt kein berühmter Fallschirmspringer, dafür aber ein weltberühmter Boxer“ - machte sich das Fränzla selbst Mut und kehrte hinkend nach Aschbi zurück: „Ja  Frä-frä-fränzla, ja ich glaabs net, ja wo ku-ku-kummst denn du daher ?“

„Na vom Militär.“

„Ich gla-gla-glab ich spi-spi-spinn.“

„Host doch scho immer gspunna Korla.“

„Qua-qua-quatsch, ich de-de-denk du willst ein be-be-berühmtes Boxenluder werden?“

„Bin ich fast schon.“

„Jes-jes-jesses Fränzla aber doch net mit dem Ba’?“

„ Wie manst’n des Korla hä?“

„Ja dö-dö-dös schaut ja schlimmer aus wie em Schor-schor-schorschla Hutsch sei Holzba.“

„Depp depperter, meines ist nur steif, des quitscht doch net so bei jedem Schritt wie dem Schorschla seins.“

Das war  nicht gelogen und deshalb glaubte es Fränzla felsenfest daran, dass seiner Boxkarriere nicht s im Wege stehen kann. So mancher andere Fachmann hatte da seine Zweifel. Besonders wenn es auf die Beintechnik ankam. Deshalb gewöhnte sich das Fränzla einen eigenen Laufstil an. Mit dem hätte er beim Grasmähen ohne Sense jeden Preis gewinnen können. Das soll heißen, der Unerschütterliche schlug bei jeden Schritt mit seinem steifen Bein einen rechten Haken. Nicht ans Kinn seiner Gegner, sondern um vorwärtszukommen. Nun heißen auf Fränkisch kleine Haken „Häkeli“ und auf die Art kam es Fränzla zu seinem berüchtigten Kampfnamen: „Häckl.“  Der jagte jeden Gegner einen Schauer über den Rücken, denn so unglaublich es auch klingen mag, der Häckel gründete innerhalb des SVA ohne zu zögern eine eigene Boxstaffel - und schon ging es voll zur Sache. Die damaligen Ringschlachten im Adlerwirts- und im Becks Saal sind legendär. Wer es nicht glauben mag, dass selbst Europameister in Aschbach in den Ring gestiegen sind, der soll’s bleiben lassen. Oder er kann den Häckel fragen. Der hat mittlerweile schon mehrere Privataudienzen beim Papst erhalten. Zwar nicht aus sportlichen Gründen, aber das is’ ja wurscht. Auf jeden Fall erzählt er keine Märchen. Der hat den Boxsport in Aschbi salonfähig gemacht, und so manchen Lokalmatator gefördert. Deren gab es einige. Im Halbschwergewicht beispielsweise den „Kohlers-Adalbert“, in der Leichtgewichst-klasse allerdings dominierte der  trickreichen Häckl persönlich. Der schlug dermaßen unorthotoxe Haken um seine Gegner herum, bis  die völlig entgeistert auf sein steifes Häckelbein guckten, und im gleichen  Moment haute er sie einfach zu Boden: „Da gucktst Maulaff hä?“

Und wie die Niedergeschlagenen geguckt haben!
Am meisten geguckt haben aber die Dorfschönen wenn der Adalbert in den Ring geklettert ist:„Harschafts wenn mir na nur der Teufel den mal in einer finstern Nacht ins Bett spielen tät“- hat sich so manches Madla gedacht, aber das ging leider nicht, denn der Adalbert war ein enthaltsamer Spitzensportler. Der musste seine Kräfte einteilen, weil Fußballspielen in der ersten Mannschaft und Boxen als Lokalmadator erfordert Disziplin und eisernes Training. Wer einmal den Franz Beckenbauer beim Training und den Wladimir Klitschko beim Sparring zugeschaut hat, wird wissen was gemeint ist. Und wer immer noch nicht glauben will,  dass die damals berühmtesten Berufsboxer Deutschlands in Aschbach kämpften, der braucht nur in den Analen des BDB nachsehen. Dort wird er lesen, dass sich im Saalbau Beck am 12. Februar 1950 nicht nur Hans König und Franz Kammerer, sowie Georg Niergard und Adalbert Seeger gegenüberstanden, sondern der Deutsche Meister Hans Häfner gegen den Europameister Hans Schiffers !



"Häckel"- der Mann der niemals lachte und dessen Gegner nichts zu lachen hatten auf Promotion Tour 1952


Der Kampf des Jahrhunderts

Den Berliner Sportpalast gibt es nicht mehr - und den legendären „Adlerwirts-Saal“ leider auch nicht. Bevor die neue Kampfarena wegen zu starkem Publikumsandrang  in den Saalbau Beck verlegt werden musste, organisierte die Boxstaffel des SVA eine Abschieds-gala vom allerfeinsten. Wiedereinmal demonstrierten die namhaftesten Berufsboxer die excellente Kunst des Faustfechtens. Der Hauptkampf sollte diesesmal jedoch nicht zwischen irgendwelchen Deutschen-und Europameistern ausgetragen werden, sondern von einheimischen Champions. Heiligs Blechla, der Adalbert hatte sich soweit in die Spitzengruppe der Amateure hochgeboxt, dass sein baldiger Übertritt ins Profilager nur noch eine Frage von wenigen Runden sein konnte. Schon ging die Frage durchs Land:

„Wer schlägt Adalbert?“

Im Prinzip niemand, war die einhellige Meinung, denn der Adalbert war ein Typ wie der Wladimir Klitschko. Groß, gutaussehend und mit einem enormen Punch. Der geborene Sieger. Einen ähnlichen Hero gab es nirgendwo. Außer in Heuchelheim. Tja Freunde des Rings, das war die absolute Sensation. Da sucht der Bund Deutscher Berufsboxer einen Gegner für den Adalbert im ganzen Land - und wo findet man ihn?  In Heuchlem!  Dass von der Existenz dieses Athleten  vorher kein Mensch eine Ahnung hatte, erscheint heute einigermaßen merkwürdig. Damals war das ohne weiteres möglich, denn man darf nicht vergessen, dass hunderte von Flüchtlingen und Zwangsevakuierten in Aschbach und Umgebung untergebracht waren. Eine ganze Anzahl von ihnen spielte bereits in der Fußballmannschaft des  SVA - und warum sollte unter den übrigen Burschen nicht auch ein hervorragender Boxer sein? 

Die Spannung stieg von Tag zu Tag. Die Arena war seit Wochen restlos ausverkauft und so schön die Vorkämpfer sich nun den ganzen Abend über blaue Augen schlugen, alles wartete auf die Auseinandersetzung: Adalbert gegen den Großen Unbekannten aus Heuchelheim.  Dicker Zigarrenqualm, Rauchschwaden aus billigen Tabakspfeifen und der Duft von Schnupftabak  durchwogten die Arena. Schaler Biergeruch vermischte sich mit dem zarten Rosenduft der parfümierten Dorfschönen. Kein Mensch verstand sein eigenes Wort mehr und die Blaskapelle rutschte unruhig auf ihren Stühlen hin und her. Der Lenhard versuchte sich verzweifelt einen Weg durch die Massen zu bahnen:

„Wer war des mit dem Seidla?“

„Ich und  ich a, Lenhard bring mir a nu was zum saufen, ich halt die Spannung nimmer länger aus“ - klang es aus allen Ecken und da wo gerade nicht der Durst gelöscht wurde, stiegen die tollsten Wetten:

„Wett’n mer, dass der Adlbert den Großen Unbekannten zammhaut?“

„Schmarrn, dös kannst du doch gor net behaupt’n wennst na nu gor net gseng hast.“

„Ah bah, ich werd’ den Adlbert nu net gseng ham?“

„Blödian, ich man doch den geheimnisvollen Großen  Dings da.“

„Ah bah, größer wie unser Adlbert is kaaner.“

„Abwarten Freundla, immer schö abwarten, es hat fei scho Größere a gebn.“

„Ja spinnst hä, ja wen denn hä?“

„Na den Louis Armstrong zum Beispiel.“

„Du Nasenbär, du manst bestimmt den Joe Louis?“

„Sog i doch.“

„An Dreck hast gsocht du Orschloch, du hast gsocht der Louis …  wollte der Experte verbal auftrumpfen, aber dann überlegte er es sich doch anders und ging wortlos zu Boden. Schuld an seinem plötzlichem  Niedergang war sein Sitznachbar, beziehungsweise dessen Bierkrügla.  Dieses irdene Trinkgefäß hatte der erboste Fachmann ihm  fachmännisch auf den Kopf hinauf gehaut und murmelte anschließend  höflich: „Dunnerkeil, jetzter hob i weger dir  Maulaff mei schöns Bierkrügla zamgschlong.“.

Und dann ertönte der Gong:

„Ladies und Gentlemänner, ich bitte die Kämpfer in den Ring“

„Ja wolln denn die an Ringkampf ringen“- stotterte der Niedergeschlagene, aber das hörte zum Glück niemand, weil nun spielte ersteinmal die Blaskapelle mit Tuba, Posaune, Klarinette, Schlagzeug und allen übrigen Lärminstrumenten lautstark den „Einzug der Gladiatoren.“  Dabei ging das Licht aus, Spot an, und der Adalbert bahnte sich seinen Weg durch die Massen. Beifallsumrauscht kletterte der Lokalmatator durch die Seile, begab sich in die blaue Ecke und winkte wie der sichere Sieger ins hochverehrte Publikum.

Adlbert, hau na um, mach na fertig, schick na auf die Bretter“ tobte der Saal und der Ringrichter rief nocheinmal:

„Ich bitte beide Kämpfer in den Ring“. Dann beugte er sich verlegen zum Herrn Kapellmeister hin und flüsterte dem etwas ins Ohr.

„Verdammt mir solln dös „Lied vom Tod“ spielen, sonst kommt der „Große Unbekannte“ nicht aus der Kantine“,  fluchte der Kapellmeister.

„Ja so ein Depp, wir drehen doch hier keinen Kauboyfilm, hier ist doch eine Kampfarena, so wie bei die alten Gladiolen, hat ihm des nu kaaner gsocht?“

„Schon, schon, aber er verlangt  seine eigene Einzugs-Hypothek.“

„Harschafts Sakratie, dann spieln mer ihm halt die deutsche Nationalhymne.“

„Ja und wenn er gor ka Deutscher is hä? Könnt jo auch ein zurückgebliebener Zwangs-arbeiter sein. Vielleicht gor a Russ` hä?“

„Also gut dann eben was Internationales“

„ Ja genau ja dös is die Idee mir spielen „Humba Humba Täterä“

Das zeigte Wirkung. Und bevor die  Spannung total explodierte öffnete sich der Vorhang und ein extraorinärer Gentleman betrat die Arena.

Jesses na, so etwas hatte man in Aschbach noch nicht gesehen. Der Kerl hatte Schultern wie der Arnold Schwarzen-Neger. Nur nicht ganz so groß war er. Um ehrlich zu sein, im Prinzip war er kleiner, sehr viel kleiner. Aber dafür breit wie ein Kleiderschrank. Und ganz und gar nicht angezogen wie ein Boxer, sondern mehr so wie der Al Capone selig: Schwarzer Anzug, schwarzer Schlapphut, schwarze Sonnenbrille. Jesses, da lief einem der nackte Schauer über den Rücken. Ob das vielleicht dem Mike Tyson sein Urgroßvater war?  Ob der unserem schönen Adalbert auch ein Ohr abbeissen würde?

Die Frauen zerknüllten vor lauter Nervösität ihre seidenen  Taschentüchli, die Männer tranken noch ein Seidla und alles starrte fasziniert auf den kleinen großen Unbekannten. Der schwang seine massige Gestalt in den Ring und fing aufreizend langsam an sich auszuziehn. Erst sein Jacket, dann die Hose. Dann noch ein Jacket und noch eine Hose, dann noch ein Jacket und noch eine Hose und als er endlich aller Kleider ledig war, da stand der Lorla in einem hautfarbenen Strapsgürtel da!

Der Saal brüllte vor lachen, dass die Wände wackelten, während der Adalbert mit un-gläubiger Mine diesem Spektakel zusehen musste.

„Heiliger Strohsack Lorla ja hat denn dich ein kranker Aff` gebissen“ - wollte er seinen Herausforderer fragen, aber der war anderweitig beschäftigt. Der tänzelte im Ring umher wie der Solotänzer vom Moskauer Bolschoi Theater und genoß die stehenden Ovationen. Und als er die lange genug genossen hatte, zeigte er was er als Boxchampion drauf hatte. Als erstes nämlich eine Beinarbeit vom allerfeinsten. Wer den Lorla damals live erlebt hat ist überzeugt, dass nicht der Muhammad Ali den Ali-Shuffle erfunden hat. Der wahre Erfinder kann nur der Lorla gewesen sein, denn der tanzte wie ein Derwisch um den sprachlosen Adalbert herum:

Links angetäuscht, rechts herum getanzt. Rechts angetäuscht, links herum gekurvt. Jesses Leut was für eine Sensation. Der Lorla tanzte den Adalbert schwindlig und wie zum Hohn wippten bei  jedem Sidestepp rhytmisch  seine Strapse rauf, runter, vor, zurück, hin-und her als wenn der Lorla Eintänzer im Moulin Rouge gewesen wär. Ein neuer Star am Boxerhimmel schien geboren zu sein. Die Stimmung im Saal brodelte und dann schlug sie schlagartig um. Von einer Minute zur anderen war der  Strapsgürtel-Lorla zum Publikums-liebling  geworden:

„Lorla hau na zamm, Lorla mach na fertig, Lorla schick na auf die Bretter“ - tobte die Menge und  das ließ sich der Lorla kein zweites Mal sagen:

„Also wo steht er mein Gegner hä? Aha da, na wart Adalbert, dir werd ichs zeigen, dich mach ich fertig du Pflaume“ und schon setzte der Lorla zu seinem unwiderstehlichen finish an: Einmal rechts angetäuscht, links herum - einmal links angetäuscht, rechts herum: „ Ha da guckst dumm Adalbert? Aber das war  noch lang nicht alles, „jetzt packt es Lorla erst seine Trickshicks, seine Trickkiste voll aus. Jetzt macht er dich den Garaus und zwar durch boxerische Ticktak, verstehst was ich mein du Amateur hä?“

Der Adalbert verstand nix mehr.Gar nix. Der stand da wie dem Lot seine Frau - zur Salzbrezel erstarrt: „Heiliger Strohsack, in welchem Film bin ich“ - fragte er sich innerlich und wusste doch, dass dies kein Film, sondern das wahre Leben eines Boxers war.

„Wunderbar Lorla, wunderbar, weiter so, hau ihn k.o“ - tobte das rasende Publikum- und der Adalbert schaute sich schon nach den Sanitätern um: „Heilige Mutter Anna und alle ihr Vierzehn Heiligen Nothelfer, befreiet mich aus dieser Not, sonst schlägt mich der Lorla tot“ flehte der völlig demoralisierte Champion.

„Haha, nix da Adalbert, heut hilft dich dein Flehen nix.  Heute zeigt dich der kleine Lorla was wahre Größe im Ring ist: Achtung aufgepasst, jetzt kommt meine linke Gerade auf der rechten Außenbahn. Haha, das war nur eine Flinte, hicks äh eine Finte. Aber nun wird’s ernst. Nun fintiert der Lorla rechts und haut links vorbei, was sagst jetzter hä?

„Ja was soll i denn sagen Lorla, knapp vorbei ist auch daneben.“

„Großmaul, dich werd ich’s geben, Achtung du Pfeife ich tänzle nun links an dich vorbei und hau’ dich voll einen Tiefschlag in deiner Eier nei.“

„Dös gilt net Lorla, dös wär gegen die Regeln.“

„Mich doch wurscht du Schlappsack, ich kämpfe nach meine eigenen Regularien.“

„Akzeptiert Lorla, voll akzeptiert, aber denk doch  dran, wir waren doch Mal Freunde.“

„Ha ha, soll ich jetztertla  lachen oder Mitleid mit dich kriegen hä? Wer hat mich denn damals mit meiner eigenen Krawatte aufgehängt hä?“

„Das war ich doch nicht allein Lorla“

„Natürlich nicht du Memme, zehn oder mehrerer hinterfotzige Attentäter wart ihr,

stimmts ?“

„Stimmt schon Lorla, stimmt, aber dös war doch blos a Gaudi“

„Scheiß auf euera Gaudi, laß doch du dich amol am Kastanienbaum an der Schloßmauer aufhänga!“

„Aber dös war doch blos a Spaß Lorla.“

„Für mich net, ich hob mein besten Sunntagsanzug anghabt.“

„Ja des is doch normal oder hättest etwa in deim Arbeitsgwand  baumeln wollen?“

„Maulaff, ich wollt überhaupt nich baumeln.“

„Versteh Lorla, versteh, aber du weißt doch es Leben in Aschbi is hart, besonders wenn man aus Heuchlem kommt.“

„Hart gewesen du Loser, weil heute Nacht ist die Nacht der langen Messer, heute nimmt der Lorla blutige Rache.“

„Um Gottes Himmels Willen Lorla, ich hab Frau und Kinder.“

„Als Berufsboxer interessiert mir das nicht, hicks,  der Worte sind genug gewechselt, ich werde dir eiskalt umhauen, verstehst mi?  Komm jetztertla endlich her  du Pfeife, ich schlage dir zum Handkoffer.“

„Ja Lorla, ja, hau na endlich um, streck ihn nieder, breche ihm alle Glieder“ - tobte der Saal und nocheinmal zeigte das entfesselte Lorla seine außerirdische Beinarbeit: Ein Stepp vorwärts, zwei zurück, drei nacht rechts, vier nach links und dann wie ein Flitzekreisel im Kreis herum, so dass der Adalbert blass und stumm  dastand und ein letztes Mal flehent-lich die Augen zum Himmel richtete.

Diejenigen die nahe am Ring gesessen hatten damals, berichten glaubwürdig, dass der Adalbert  dabei gemurmelt haben soll: Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.

„Von mich aus fahr zur Hölle“, soll der Lorla dagegen-gehalten haben,  und dann setzte er zum seinem legendären Endspurt an: Rechts angetäuscht, links  vorbei,  links angetäuscht, rechts vorbei, zwischendrinn ein fantastischer Sidespinn, dann eine Finte zum Kinn, eine angetäuschte Doublette auf die kurzen Rippen, eine prächtige linke Gerade über die rechte Augenbraue, einen linken Schwinger aufs rechte Ohr: „Da guckst du Loser hä? Achtung jezertla folgt ein Leberhaken auf dem Magen, ha, ha ha, und nun ein Kinnhaken alla Max Schmeling, da nehme ihn hin du Anfänger, und nun folgt mein tötlicher Rückwärtshaken in den Nacken!“

Der war allerdings verboten. Deshalb musste der Ringrichter den Kampf unterbrechen und lauthals verkünden:

„Schläge in den Nacken, ziehen an den Haaren, den Gegner beissen oder in die Eier hauen verstösst gegen die Regln, schon der Versuch ist strafbar“

„Ah pah du Pfeifenkopf du hast doch keine Ahnung von das Ringregeln nicht, der Lorla wird das selber regeln, der wird nun den Adalbert durch Sonne und Mond hauen, kapiert Maulaff?“

„Ja schon Lorla, im Prinzip schon, aber bitte nur nach den allgemein gültigen Monats-regeln.“

„Leck mich doch  mit deine Regulatoren du Hanskasper. Hier kämpfen Männer und keine Gartenzwerge oder siehst du das nicht ?“

„Doch schon Lorla großer Unbekannter, aber bisher hab ich gedacht du wärst ein Garten…“

„Was hä, was willst sogn du Armleuchter ?“

„Ein Held aus dem Garten Eden der jeden besiegen kann wollte ich sagen.“

„Aha, klingt schon besser, und jetz pass amol auf du Pfeifenheini was der Lorla mit dem Korla, äh mit dem Dings da, wie heißt mein Gegner?“

Adalbert der Champion.“

„Soll i mi totlachen? Auf was will der Champignon warten hä?“

„Ja auf einen Sieg vielleicht?“

„Depp, der kann höchstens auf den Totengräber warten.“

„Geht nicht Lorla.“

„Aha und warum nicht hä?“

„Der Lorzer-Schuster ist heut außer Dienst.“

„Du meinst der is schon wieder stockbesoffen?“

„So könnte man es auch ausdrücken.“

„Mich auch wurscht, dann soll ein anderer Leichenbitter kommen. Die meisten meiner Gegner hören den Gong zur zweiten Runde sowieso nicht mehr, also jetzt aufgepasst Leute, heute demontiere ich den  Champignon.  Sakra wo steckt er eigentlich  hä ? Adalbert du Feigling wo steckst du?“

„Hier steck ich Lorla, hier.“

„Aha in der blauen Ecke also. Ja prima, die wird gut zu deinen blauen Augen passen und nun pass einmal auf was der Lorla dich vorführt: Achtung, ein Sidestepp links herum. War der cool hä?  Aukei, weiter gehts: ein Sidestepp rechts herum, da guckts blöd hä?  Aber das war noch längst nicht alles, weil jetzt kommt der legendäre Lorla-Shuffle. Den wollte mich der Prophet Muhammed  nachmachen, aber dazu war er viel zu steif in den Hüften. Und außerdem ist er ein Neger und infolgedessen kein Gegner. Ich lege mir nur mit weiße Champignons an. Denen zeig ich was ich kann. Moment du  Tollpatsch erst muß ich mein  Puplikum noch einmal fragen: Wollt ihr Butter oder Kanonen?“

„Kanonen Lorla, schieß ihn ab, mach in platt.“

„Hast dös gehört du Schießbudenfigur hä?“

„ Schon Lorla, schon, aber bitte mach es gnädig.“

„Nix da, heute Nacht rächt sich der Lorla für die erlittene Schmach am Kastanienbaum.“

„Erbarme dich Lorla ich schwör, dass ich nicht alleine Schuld war und ich schwöre auch, dass ich solch eine Totsünde niemals mehr begehen werde.“

„Auf deine Schwüre pfeife ich, hicks, du kriegst keine Absolutation von mich, ich mach dich jetzt einfach fix und foxi.“

„Bitte, bitte nicht Lorla, denk an meine Fra’ und Kinder“

„Nun gut, ich werde Gnade vor Recht ergehen lassen. Niemand soll mich nachsagen ich wäre ein Witwenmacher. Also komm einfach her, lass dich k.o. schlagen und morgen ist die Sache vergessen“

„Danke Lorla, du bist so gut zu mir. Deswegen stelle ich mich dir. Aber bitte mache es kurz und schmerzlos.“

„Dein Wunsch sei mich Befehl  Adalbert, aber unser verkehrtes hicks, verehrtes  Publikum, will das ich dich spektakulär umhauen tue.“

„Dann mach es großer Meister, aber bitte so schmerzfrei wie möglich.“

„Mach ich Adalbert, mach ich, jetzt beiß die Zähne aufeinander, denn nun tanze ich zum letzten Mal links um dich herum, obwohl ich rechts angetäuscht habe. So, diese Gabe hat mich der liebe Gott in die Wiege gelegt, und wie es weitergeht weißt du ja schon: Ich täusche nun links an und tanze rechts um dich herum und auf einmal machts bum. Und so geschah es !

Knallhart, staubtrocken und kurz wie ein Furz, machte es bum und der Lorla fiel wortlos um. Der Grund hierführ war eine phänomenale linke Gerade voll auf die Glocke. Diese wollte er pertut nicht leuten hören und den Gong auch nicht, der ausgeknockte Lorla. Auf den Ringrichter seine blödsinnige  Zählerei verzichtete er auch großzügig. Deshalb wollte er bei 9 nicht aufstehen und bei 99 immer noch nicht.

„Ich bleib mal besser liegen bis der Adalbert  die Arena verlassen hat“- dachte sich der Niedergeschlagene, aber solange wollten Film, Funk und Presse nicht warten. Deshalb spendierte man dem Lorla eine gehörige Portin Riechsalz und stellte ihn auf die wackligen Beine. Nach zwei, drei  Seidli Bier war er soweit wiedergenesen, dass er mit glasigem Auge sein erstes und letztes Interview im Ring geben konnte:

Frage der Reporter: „Herr Lorla wie kam es zu diesem Niederschlag?“

Antwort O-Ton Lorla: „Bitsch hat er auszogn, bitsch hat er hinghaut, bitsch bin i umgfalln.!“

„Herr Bitscher-Lorla wir danken Ihnen fürs Interview!“    

 

Edition Goldener Falke ©

Nachdruck  gemäß  - § 106 UrhG

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